Gmunden, 13. bis 16.10.2011

Mehr Licht!

Wie „Romantik“ ist auch „Aufklärung“ ein Begriff, der sowohl eine Epoche beschreibt als auch ein stets aktuelles, niemals abgeschlossenes Projekt: Zu allen Zeiten wird romantisiert, und aufzuklären haben die Menschen auch immer etwas. Aufklärung hat mit der Vorstellung zu tun, Licht in die jeweilige Sache zu bringen, und zwar mehr Licht, als es die Interessenten der Verdunkelung wünschen. Die Lichtmetapher steckt im Wort „Aufklärung“ und in anderen Sprachen wird das noch deutlicher: Enlightenment, Lumières, Illuminismo, Ilustración.

Die historische Hochzeit der Aufklärung war das 18. Jahrhundert. 1784 begann der Aufsatz des Philosophen Immanuel Kant zur Frage der Aufklärung mit den Sätzen: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“

Im 20. Jahrhundert – angesichts von Faschismus und Nationalsozialismus – sprachen die Philosophen Adorno und Horkheimer von einer „Dialektik der Aufklärung“. Ihr gleichnamiges Buch, das ja der Aufklärung dienen sollte, spaltet diese dementsprechend: Einerseits bleibt Aufklärung eine Bedingung der Freiheit (gegen die Mythisierung der Gesellschaft und der Geschichte durch Faschismus und Nationalsozialismus). Anderseits ist es nach Adorno und Horkheimer die Aufklärung selbst, die in sich den „Keim“ zum Umschlagen in ihr Gegenteil trug: „Seit je hat Aufklärung im umfassendsten Sinne fortschreitenden Denkens das Ziel verfolgt, von den Menschen die Furcht zu nehmen und sie als Herren einzusetzen. Aber die vollends aufgeklärte Erde strahlt im Zeichen triumphalen Unheils.“ Danach war es die „Entzauberung der Welt“ durch Aufklärung, die nicht zuletzt durch den „Mythos dessen, was der Fall ist“, also durch eine irrationale, sich aber höchst rational gebende Tatsachengläubigkeit eine bis dahin ungeahnte Barbarei ermöglichte.

Die Oberösterreichischen Kultur Vermerke gehen diesen Fragen und vielen anderen Facetten der Aufklärung nach. Wie historisch die Beispiele auch sein mögen, im Wesentlichen geht es dabei um die Gegenwart: Wie halten wir es mit der Aufklärung – wo hilft sie uns und was haben wir von ihr zu befürchten?

Franz Schuh