Gmunden, 13. bis 16.10.2011

Freitag, 14. Oktober 2011

  Musik - Stefan Sterzinger – Stimme und Ziehharmonika

Rock’n’Roll ohne Coca-Cola, Blues aus‘m Donaudelta

Stefan Sterzinger, geb. 1957, lebt als Sänger, Akkordeonspieler und Konzeptionist in Wien. Von 1986 bis 1994 bildete er mit Heinz Ditsch und Vinzenz Wizlsperger die Band „Franz Franz and the Melody Boys“; danach arbeitete er hauptsächlich für Festivals und Theater. 2008 erschien die Solo-CD Sterzinger; kürzlich wurde das erste Album seiner neuen Band „Sterzinger Experience“ veröffentlicht.

17:00 Uhr

Peter Strasser
Selber denken... Die höhere Dummheit

fr 14 10 2011 strasser

Es war Robert Musil, der 1937 zu einer ebenso erhellenden wie irritierenden Gegenüberstellung findet. Der „ehrlichen Dummheit“, die dem dummen Menschen eigne, konfrontiert er die „höhere“: Sie sei die „eigentliche Bildungskrankheit“. An Musils Unterscheidung anknüpfend, soll im Vortrag nicht nur gezeigt werden, wie das Credo der Aufklärung – „Selber denken!“ – in seiner popularisierten Form zu Anmaßung und Überforderung führt. Besonders soll argumentiert werden, dass die gleichsam besinnungslose Anwendung der Selbstdenker-Maxime auf alle Aspekte des menschlichen Lebens, namentlich Moral, Kunst und Religion, Sensibilitätsdefizite erzwingt, die „auf höherer Ebene“ verdummen.

Peter Strasser, Univ.-Prof., Dr. phil., geb. 1950, unterrichtet an der Karl-Franzens-Universität in Graz Philosophie und Rechtsphilosophie. Von 1990 bis 1995 Beirat im Avantgardefestival „steirischer herbst“. Seit 1999 Lektor und Gastprofessor am Institut für Philosophie der Universität Klagenfurt. Von 2002 bis 2008 Mitherausgeber der „Bibliothek der Unruhe und des Bewahrens“ (Styria Verlag), ab 2010 wissenschaftlicher Berater in der Essayreihe „Unruhe bewahren“ beim Residenz Verlag. Seit 2003 Verfasser der Mittwochkolumne „Die vorletzten Dinge“ in der österreichischen Tageszeitung „Die Presse“. Beschäftigung mit Fragen der Ethik, Rechtstheorie, Kriminologie, Metaphysik und Religionsphilosophie. Jüngere Buchpublikationen: Dunkle Gnade. Willkür und Wohlwollen, 2007. Warum überhaupt Religion? Der Gott, der Richard Dawkins schuf, 2008. Über Selbstachtung, 2009, Die einfachen Dinge des Lebens, 2009. Sehnsucht, 2010. Im Frühjahr 2011 erschienen: Was ist Glück? Über das Gefühl, lebendig zu sein.

17:30 Uhr Rainer Krispel
Punk als Aufklärung
fr 14 10 2011 krispel rainer

Es ist Unfug, Punk als musikalisches Genre, als rebellische Geste, als Haltung, als Ideologie, als Lebensstil oder als Philosophie in seiner Gesamtheit als aufklärerisches Projekt deuten zu wollen. Gleichzeitig hätten sich Joe Strummer, Frontmann von „The Clash“ und Immanuel Kant bei einem ausgedehnten Spaziergang in Königsberg sicher etwas zu sagen gehabt. Und nicht umsonst veröffentlichte die deutsche Punkband „EA80“ 1989 ein Album mit dem Titel Licht! oder gibt Greg Graffin, Sänger der kalifornischen „Bad Religion“ und promovierter Evolutionsbiologe seinem 2010 erschienen Buch den Titel Anarchy Evolution: Faith, Science And Bad Religion In A World Without God. „Punk und Wissenschaft stellen alles in Frage“ sagt Graffin. Eine Haltung, die in einer Zeit, in der die „selbstverschuldete Unmündigkeit der Menschen“ gesellschaftliche Hochkonjunktur hat und „Vernunft“ als anarchronistisches Prinzip verschüttet zu gehen droht, notwendiger denn je ist. Immanuel, halt bitte die Spraydose und lass mich an deinen Rechner!

Rainer Krispel, geb. 1967 in Linz, seit 1981 praktizierender Punk. Lebt und arbeitet in Wien, Sänger/ Texter von „Seven Sioux“ und „The Red River Two“ (mit Ernst Molden), schreibt über Musik und Kultur für „Augustin“, „Datum“, „TBA“ u. a. Im Jänner 2011 erschien sein Debütroman Der Sommer als Joe Strummer kam bei „mcpublish“.

18:00 Uhr Wolfgang Zinggl
Schöne Kunst ist Kunst des Genies
fr 14 10 2011 zingl wolfgang

Ähnlich wie jede Religion ist Kunst ein kulturelles Konstrukt, dass sich mit dem Argument hartnäckig der Aufklärung widersetzt, Welterfahrung könne nicht mit Ratio allein gemacht werden, und der Verstand verliere dort an Wirksamkeit, wo es um Unerklärliches und Unsagbares geht. Diese Haltung führt immer wieder zum Unterdrücken aufkeimender Diskussionen, was die Kunst denn außer einem durchschnittlichen Mysterium sein könnte. Immerhin: Ähnlich wie in der Religion erspart ihren Groupies der unreflektierte Glaube an die Kunst auch jeden ketzerischen Zweifel, der mit kategorischen Fragen immer aufkommen kann.

Seit 2004 ist Wolfgang Zinggl Kultursprecher der Grünen im Nationalrat. Davor war er sieben Jahre lang Leiter des „Depot“, in dem jeden dritten Tag über Kultur und Kunst diskutiert wird. Von 1997 – 2000 war Zinggl österreichischer Bundeskurator. In dieser Zeit war er auch Mitglied der Unesco-Kommission und hat am Weißbuch zur österreichischen Kulturpolitik geschrieben. Zinggl hat an zahlreichen Universitäten unterrichtet, war sechs Jahre lang Falter- Kunstkritiker und ist Gründer der Gruppe „WochenKlausur“. Die „WochenKlausur“ entwickelt seit 1993 konkrete Vorschläge zur Verringerung gesellschaftspolitischer Defizite und setzt ihre Ideen auch um. Künstlerische Gestaltung wird nicht als Formalakt, sondern als Gestaltung unseres Zusammenlebens gesehen. So wurden beispielsweise Sprachschulen im Kosovo aufgebaut, ein Altenzentrum in Italien, eine Agentur für Upcycling in Chicago, die medizinische Versorgung der Obdachlosen in Wien, Projektunterricht in Fukuoka (Japan) u. v. m.

18:00 Uhr Wolfgang Zinggl
Schöne Kunst ist Kunst des Genies
   
18:30 Uhr Pause
   
19:00 Uhr Gesprächsrunde mit Peter Strasser, Rainer Krispel und Wolfgang Zinggl
Moderation Peter Huemer
   
20:30 Uhr Lesung Dorothee Hartinger
Aphorismen von Georg Christoph Lichtenberg


fr 14 10 2011 hartinger dorothee

„Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen“

Der Schriftsteller Georg Christoph Lichtenberg gehört zu den Vertretern der Aufklärung. In dieser Phase des Umbruchs und der Besinnung auf den eigenen Verstand eines jeden Menschen entsteht auch der Text Aphorismen (1770-1799). In seiner Kürze und starken Verdichtung ist er ein kompaktes und inhaltsreiches Werk seiner Zeit, das den Grundstein für die Tradition der deutschsprachigen Aphorismen legen wird. Philosophische Gedankensplitter, wie die Aphorismen auch genannt werden, regen zum Hinterfragen, Analysieren und Weiterdenken an. Trotz der betont subjektiven Wertung erheben auch die Aphorismen Lichtenbergs Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Aufgeteilt in zwei Sätze werden da zwei Regeln für ein Leben im Sinne der Aufklärung aufgestellt: Zweifle und denke selbst!

Dorothee Hartinger wurde in Regensburg in der Oberpfalz geboren und ist auch dort aufgewachsen. Ihre Schauspielausbildung absolvierte sie an der Otto- Falckenberg-Schule in München. Diverse Engagements an den Münchner Kammerspielen, am Schauspiel Frankfurt, am Thaliatheater in Hamburg, bei den Salzburger Festspielen, bei den Festspielen Reichenau u. a. folgten. Von 1999-2001 war sie Mitglied des Faust-Ensembles unter der Leitung von Peter Stein. Seit 2002 ist sie Ensemblemitglied des Burgtheaters. Neben ihrer Tätigkeit am Theater und diversen Film- und Fernsehproduktionen ist Dorothee Hartinger aus den bayrischen Erfolgsserien „München 7“ und „Der Kaiser von Schexing“ bekannt.

Anschließend Treffpunkt Foyer